
Freudiges Wiedersehen mit einem Bagdader Schurken - Dass ein Kalifatsbeamter aus Bagdad gleich zwei Halbbrüder hat, von denen zudem einer Cowboy und der andere ein keltischer Krieger ist, ist ungewöhnlich. Im Reich der Comics ist das nicht ausgeschlossen: René Goscinny ist eben nicht nur einer der geistigen Väter des schlauen Galliers Asterix und des gewieften Revolverhelden Lucky Luke, sondern auch des gerissenen Großwesirs Isnogud - dass im Asterix-Band Asterix im Morgenland der Guru Daisayah seinen nicht im Bild gezeigten Vetter Isnogud als Vorbild erwähnt, kommt also nicht von ungefähr. Während auf Asterix am Ende seiner Abenteuer ebenso verlässlich ein zünftiges Fest mit Wildschweinbraten wartet wie auf Luke der Sonnenuntergang, in den er auf seinem treuen Gaul Johnny Jumper reitet, wartet Insogud allerdings vergebens auf ein Happy End - und das seit 24 Bänden, die im Laufe von gut 30 Jahren in Deutschland erschienen, bis die Serie in den 90er Jahren eingestellt wurde. Seitdem hat sich Isnogud im deutschsprachigen Raum rar gemacht, ein Realfilm, der 2005 in französischen Kinos zu sehen war, fand jenseits der Landesgrenzen offenbar erst gar keinen Verleih.Jetzt, endlich, gibt es ein Wiedersehen mit dem glücklosen Intriganten, der Kalif werden will anstelle des Kalifen, und dessen diverse Listen ihn doch am Ende immer wieder nur selbst in die sprichwörtlichen Gruben befördern, die er dem Kalifen Harun al-Pussah gräbt. Soeben ist im Verlag Egmont Ehapa der erste Band einer chronologischen, auf insgesamt neun Bände angelegten Gesamtausgabe erschienen. An dem gibt es nichts auszusetzen, das wesentlich wäre, dafür aber einiges zu loben. Da wäre zunächst einmal das kenntnisreiche Vorwort aus der Feder von Horst Berner, der für die Konzeption der Reihe verantwortlich zeichnet und der auf zwei Seiten Interessantes über die Erstveröffentlichung der Isnogud-Geschichten zusammenfasst. Unter den Illustrationen, die den Text begleiten, haben dankenswerterweise auch die Originalcover der in diesem Band zusammengefassten Alben Isnogud, der Großwesir, Der bitterböse Großwesir Isnogud und Gefährliche Ferien Platz gefunden. So ist der direkte Vergleich zwischen altem und neuem Artwork möglich: Dass Zeichner Tabary im Laufe der Zeit sämtliche Titelbilder der Reihe überarbeitet hat, war mir bisher gar nicht klar gewesen. Schön, dass man sich bei der Edition der Reihe dazu entschlossen hat, die überarbeiteten Covermotive den jeweiligen Episoden voranzustellen - die Anhänger des schändlichen Großwesirs wird das sicherlich freuen.Die Inhalte der einzelnen Bände sind freilich so, wie ich sie kenne und liebe. Will sagen: Fans der Reihe müssen keine überflüssigen kosmetischen Eingriffe befürchten. Dazu gehört auch, dass die Farbgebung der Abenteuer so gedeckt geblieben ist, wie ich sie aus den ursprünglichen Veröffentlichungen in Erinnerung habe. Den Versuchungen, mit denen die Mittel neuzeitlicher Bildbearbeitung locken, ist man offensichtlich nicht erlegen - das scheint mir insofern erwähnenswert, als ich mit der sicherlich gut gemeinten Neukolorierung der in diesen Tagen ebenfalls bei Ehapa erscheinenden Carl Barks Collection nicht immer ganz glücklich bin. Einverstanden bin ich hingegen mit dem neuen Lettering, das man den Abenteuern spendiert hat, die der stets verschlafene Kalif Harun al-Pussah mit seinem missgünstigen Höfling erlebt - soviel Aktualisierung darf schon sein, zumal, wenn das Lektorat so sorgfältig geschieht, wie es hier der Fall ist. Der Spassprediger meint:Fans des Großwesirs Isnogud mussten lange auf diese Werk-Edition warten. Die Geduld wird belohnt mit einem sorgfältig edierten ersten Band, der schon jetzt die Vorfreude auf die restlichen acht Bände der Gesamtedition schürt. Das Vorwort des Bandes ist aufschlussreich, das neue Lettering gelungen, zu jedem der in diesem Sammelband neuveröffentlichten drei Abenteuer gibt s als kleine Randnotiz außerdem die Daten der französischen und deutschen Erstveröffentlichung. Mit einem Wort: klasse!